Wildnis in Bayern: Einfach erklärt



Was ist Wildnis eigentlich?
Stell dir vor, du gehst in einen Wald, in dem weit und breit keine Wege sind und keine Menschen Bäume fällen oder ihren Müll hinterlassen. Wo Tiere und Pflanzen einfach machen können, was sie wollen und leben, ohne dass der Mensch eingreift. Genau das ist Wildnis: ein Ort, an dem die Natur sich selbst überlassen ist und sich natürlich entwickeln kann. Keine Bewirtschaftung und keine Kontrolle durch den Menschen.
In Bayern gibt es nur noch wenig großflächige Wildnis, viel zu wenig. Laut der bundesweiten Wildnisbilanzierung von 2024 waren es rund 36.500 Hektar (das ist ungefähr so groß wie 51.000 Fußballfelder), etwa 0,5 % der Fläche Bayerns. Anders gesagt: Wenn man Bayern in 200 gleich große Teile aufteilt, entspricht die Wildnisfläche ungefähr einem dieser Teile. In ganz Deutschland sind nur 0,62 % der Fläche echte Wildnis (Stand 2024). Die Bundesregierung will bis 2030 auf zwei Prozent kommen. Dabei brauchen wir diese unberührten Räume dringend: für die Artenvielfalt, das Klima und nicht zuletzt für uns Menschen.


Warum ist Wildnis so wichtig?
1. Artenvielfalt pur
In großen zusammenhängenden Wildnisgebieten finden Tiere und Pflanzen ungestörte Lebensräume. Hier können sich seltene Arten wie der Luchs oder der Biber wieder ausbreiten. Auch Pilze, Flechten und Insekten profitieren von intakten Ökosystemen. Wildnis ist wie ein Rettungsring für die biologische Vielfalt.
In der Wildnis dürfen Bäume alt werden und umfallen. Totholz ist voller Leben: In Deutschland sind etwa 1.400 von 5.000 Käferarten und 1.500 von über 5.000 größeren Pilzarten darauf angewiesen. In alten Buchenwäldern leben bis zu 11.000 Arten von Tieren, Pflanzen und Pilzen.
2. Klimaschutz zum Anfassen
Wildnis speichert CO₂, und zwar richtig viel. Unberührte und intakte Wälder und Moore sind natürliche Speicher für CO₂. Sie kühlen die Luft, speichern Wasser und schützen so im Kleinen vor den Folgen des Klimawandels. Gleichzeitig helfen sie uns, die Folgen der Klimakrise abzumildern.
Etwa 95 % der Moore in Deutschland sind entwässert. Dadurch gelangt der gespeicherte Kohlenstoff nach und nach in die Luft. In der Wildnis können Moore wieder nass werden.
3. Ein Ort der Stille und Inspiration
Wildnis ist kein Freizeitpark. Sie ist ein Ort, an dem du zur Ruhe kommen kannst: ohne Hektik, ohne Lärm, nur mit dem Rauschen der Blätter und dem Gesang der Vögel. Für die meisten Menschen ist es sehr erholend, durch einen naturnahen Wald zu wandern. Es erinnert uns vielleicht daran, dass wir ein Teil eben dieser Natur sind.
4. Lernort für die Zukunft
Wildnis zeigt uns, wie die Natur funktioniert, wenn wir sie in Ruhe lassen. Das ist nicht nur spannend für Wissenschaftler*innen, sondern auch für uns alle. Sie zeigt uns, wie die Kreisläufe der Erde funktionieren und wie vielfältig die Tiere und Pflanzen bei uns sind.


